Ich sitze hier gerade, noch immer mit dem Nachhall von heulendem Wind über gefrorenen Feldern, den winterlichen Rufen von Schwänen über grauen Wassern und Stille in mir.
Kennen Sie das? Wenn der Lärm der Stadt, an den wir uns so fatal gewöhnt haben – plötzlich wegfällt und man fast erschrickt, wie laut es im eigenen Kopf eigentlich zugeht?
Ich habe den Jahreswechsel gerade im Gutshaus Ludorf verbracht. Einfach nur da sein. Keine großen Pläne. Gehen mit dem Hund, Lesen und leckeres Essen.
Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie vielen meiner Patienten in diesen ersten Januartagen. Wir starten mit diesen glänzenden Vorsätzen ins neue Jahr. Wir wollen effizienter werden. Gesünder. „Besser“ funktionieren. Und meistens … nun ja, meistens sind wir spätestens in der dritten Januarwoche wieder genau da, wo wir angefangen haben: erschöpft.
Und wissen Sie was? Das ist völlig normal.
Während ich dort oben an der Müritz spazieren ging – es sind ja nur gut 140 Kilometer von Berlin, aber gefühlt ist es eine andere Welt –, wurde mir eines wieder glasklar: Wir versuchen oft, unsere Emotionen zu managen wie ein defektes Betriebssystem. Wir wollen den „Bug“ finden, ihn beheben und weitermachen.
Aber wir sind keine Maschinen. Und wir müssen nicht repariert werden.
Der Trugschluss der Selbstoptimierung
Das ist der Grund, warum ich genau an diesen Ort zurückkehren werde. Nicht für Urlaub, sondern für die Arbeit mit Ihnen. Ich komme zurück ins Gutshaus Ludorf, um mein Seminar „Wie regulieren wir unsere Emotionen – ohne uns selbst zu verlieren?“ zu halten.
Es ist schon fast ironisch. Wir rennen durch unseren Alltag, versuchen, toxischen Stress wegzuatmen oder unsere Wut in Watte zu unterdrücken, und wundern uns, warum wir uns dabei immer fremder fühlen.
In meinem neuen Buch, „DAS 90-SEKUNDEN-SYSTEM“ schreibe ich über solche inneren Vorgänge und die Neurobiologie dahinter. Emotionale Intelligenz ist für mich nicht, immer nett zu lächeln, wenn man eigentlich schreien will.
Vielmehr geht es um Orientierung.
Darum eine Sprache, um das zu finden, was manchmal in uns tobt.
Warum Ludorf?
Vielleicht fragen Sie sich, warum man für so ein Thema aufs Land fahren muss. Kann man das nicht in einem Seminarraum in Mitte machen?
Sicher. Könnte man. Sogar in der Praxis.
Aber während meines Aufenthalts über Silvester habe ich gespürt, was dieses Haus mit einem macht. Es gibt dort diese … ich nenne es mal „zurückhaltende Gastlichkeit“. Niemand drängt sich auf. Die Natur ist weit. Das Essen ist exzellent, aber bodenständig.

Es ist der ideale Rahmen, um den Schutzpanzer, den wir alle tragen – diese Schichten aus „Ich muss funktionieren“ und „Ich darf keine Schwäche zeigen“ – ein wenig zu lockern.
Wir werden eine kleine Gruppe sein. Maximal 12 Personen.
Das ist mir wichtig.
Denn wir werden uns Themen ansehen, die Raum brauchen. Wir sprechen über toxische Scham – dieses fiese Gefühl, nicht gut genug zu sein. Wir schauen uns an, wie wir in Beziehungen Grenzen setzen, ohne Mauern zu bauen.
Aber keine Sorge.
Das wird keine düstere Gruppentherapie, bei der wir nur in alten Wunden stochern. Ganz und gar nicht. Wir nutzen das Wochenende, um konkrete Werkzeuge zu erarbeiten. Dinge, die Sie am Montag danach wirklich nutzen können. Erdung. Selbstbeobachtung. Ein bisschen mehr Frieden mit dem schließen, wer Sie wirklich sind.
Ein kleiner Gedanke zum Mitnehmen
Bevor Sie jetzt weiterklicken oder Daten checken, möchte ich Ihnen eine Kleinigkeit mitgeben, die mir dort oben am Seeufer durch den Kopf ging.
Wenn Sie das nächste Mal von einem Gefühl überrollt werden – Wut, Angst, Scham –, versuchen Sie nicht sofort, es „wegzumachen“.
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in der Bibliothek dieses alten Gutshauses (schauen Sie gern in die Bildergalerie). Beobachten Sie das Gefühl nur. Wie einen ungeladenen Gast, der zwar nervt, aber jetzt eben da ist.
Sagen Sie sich: „Aha.“ Das ist also gerade da. Interessant.“
Dieser kleine Moment des Innehaltens – das ist der erste Schritt aus dem Automatikmodus. Und 90 Sekunden reichen, damit die erste Welle durch ist. Das ist das Fenster zu authentischer Emotionsregulation danach.
Falls Sie Lust haben, diesen Weg ein Stück gemeinsam zu gehen: Ich würde mich freuen, Sie bei unserem nächsten Workshop zu sehen.
Gönnen Sie sich das. Nicht, um ein besserer Mensch zu werden. Sondern um wieder mehr Sie selbst zu sein.
Herzlich,
Ihr Dirk Stemper

Dr. Dirk Stemper ist Facharzt für Innere Medizin und Psychotherapeut mit eigener Privatpraxis in Berlin. Sein Ansatz integriert tiefenpsychologisch fundierte, rational-emotiven, narrative und systemische Verfahren. Er ist Autor mehrerer Sachbücher zur Psychologie innerer Prozesse, emotionaler Entwicklung und Selbstregulation. In seinen Veranstaltungen legt er besonderen Wert auf emotionale Ernsthaftigkeit, methodische Klarheit und einen geschützten Rahmen, in dem Prozesse jenseits von Ratgeberlogik möglich werden.