1000 Jahre Mecklenburg

Wie in kaum einem anderen Ort sind in Ludorf die Zeugnisse von 1000 Jahren Geschichte in Mecklenburg sichtbar geblieben.

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Ruhestätte des letzten Gutsherren Dr. Wilhelm von Schulze-Bülow auf dem Turmhügel

Vor etwa 16.000 Jahren, als sich die Gletscher der letzten Eiszeit zurückzogen, blieben über 1000 Seen zurück und bildeten die Mecklenburgische Seenplatte, deren größter See die Müritz ist. In diesem Gebiet siedelten von ca. 600 bis 1200 n. Chr. slawische Stämme, die der Müritz ihren Namen gaben. Das slawische Wort “Morcze” heißt “Kleines Meer”, die Slawen, die hier einst lebten, “Morizaner”.

Auf dem Turmhügel stand einst die Burg Morin, Stammsitz der Ritter von Morin.

Ob es nun ein slawischstämmiger oder ein nach Osten gewanderter deutscher Adeliger war, der die Burg in der Ludorfer Feldmark baute, liegt im Dunkeln der Geschichte. Auf jeden Fall war es ein Ritter namens Heinrich von Morin, der 1224 und 1274 im Zusammenhang mit einer Schenkungsurkunde des Fürsten Nicolaus von Werle an die Stadt Röbel erstmalig erwähnt wurde.

Morin ist slawisch und bedeutet Meerdorf, so nannte sich das kleine Fischerdorf an der Müritz, bestehend aus einer kleinen Siedlung und einer Niederungsburg, die dem Adelsgeschlecht der Morins für fast 400 Jahre als Stammsitz diente. Sie ist heute noch zu besichtigen, zumindest der übrig gebliebene Turmhügel mit dem ihn umgebenden Wassergraben.

Die frühgotische Backsteinkirche St. Maria und St. Laurentius.

Wipert von Morin war es auch, so ist es überliefert, der von einem Kreuzzug ins Heilige Land die Idee von der Form der Ludorfer Kirche mitbrachte. Einzigartig in Norddeutschland hat sie den gleichen Grundriss wie die Kirche vom Heiligen Grabe in Jerusalem. Geweiht 1346 vom Bischof von Havelberg, geht man jedoch davon aus, dass sie noch gut 150 Jahre älter ist.

Im Auf und Ab der Geschichte hatte auch die Ludorfer Herrschaft nicht immer glückliche Zeiten. So war es Henneke von Morin, der 1638 während des 30-jährigen Krieges aus großer Not die Glocken der Kirche verkaufen musste, um ein Pferd zu erhalten, das ihn dann: „auf einer Schlöpe zu Grabe trecken mußte, inmaßen auch das Pferd nicht lange danach in einen Brunnen gefallen und elendig gestorben.“

nach einem Visitationsprotokoll von 1640

Nach dem Ende des 30jährigen Krieges wurde dann der alte Stammsitz der Morins aufgegeben. Das war das Ende des Namens Morin in Mecklenburg. Jedoch hatte die letzte Morin-Tochter Elisabeth den benachbarten Rittmeister Jakob Ernst von Knuth, Erbherrn auf Leizen und Priborn und Provisor des Kloster Malchows, geheiratet. Damit begann das Knuthsche Zeitalter Ludorfs.

Der Holzbalken ist älter als das Haus und zierte einst das alte Knuthsche Gutshaus in Leizen.

Adam Levin von Knuth, dänischer Oberkammerjunker (erster Minister am Hofe des dänischen Königs Christian V. und dessen engster Ratgeber), baute 1698 das „neue Haus“ unter Verwendung der Steine der alten Burgmauern im Stile der „dänischen Klinkerrenaissance”.

Mit dem Tod der Bertha von Schulse, geb. von Knuth, 1901 ist auch die urmecklenburgische Familie Knuth in Mecklenburg endgültig erloschen. Deren Tochter Beate heiratete in die ebenfalls zum mecklenburgischen Uradel gehörende Familie von Bülow ein. So war Ludorf beeindruckende 655 Jahre in der Familie geblieben, bis der Wahnsinn des Naziregimes und der zweite Weltkrieg alles zerstörte.

Und da steht es heute noch. „Seit mehr als 300 Jahren Mittelpunkt des wohl schönsten Guts Mecklenburgs, das als Halbinsel in den größten deutschen Binnensee, die Müritz, ragt, umgeben von Wasser, Moor und Schilf.“

Götz von Bülow, letzter Besitzer vor der Enteignung 1945
Für die Erhaltung des Gutsensembles wurden die Achtenhagens mit einer Denkmalplakette ausgezeichnet.

Nach 1945 erlebte das Ludorfer Gutshaus und die dazu gehörenden Gebäude das Schicksal vieler Häuser im Lande. Es wurde geplündert und seine Inneneinrichtung vollständig zerstört. Aber es linderte wenigsten erst einmal die große Wohnungsnot der vielen Flüchtlinge aus dem Osten.

Ab 1989 teilweise leergezogen und dem Verfall preisgegeben, kaufte 1998 die Familie Achtenhagen den Rest des Gutsensembles, bestehend aus Herrenhaus und Gutsverwalterhaus. Nach behutsamer Sanierung eröffneten sie im Jahre 1999/2000 einen familiengeführten Hotelbetrieb. Wer das Haus heute betritt, der spürt wieder das bodenständige Flair des mecklenburgischen Landadels.

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Die Deckenmalereien im Barocksaal können während der Öffnungszeiten besichtigt werden.

Während der Sanierung sorgte ein Sensationsfund für Aufsehen. Handwerker waren auf Deckenmalereien an der Holzdecke des Saals und weiterer repräsentativer Räume in der Belle Etage gestoßen. Dies war besonders erstaunlich, da die Malereien unter alten Stuckdecken verdeckt und im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten waren. Der Saal wird heute als offizielles Trauzimmer des Standesamts und für Ausstellungen genutzt. 

Ausführliche Ludorfer Gutsgeschichte (PDF)

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